Was tun?

 

Das geschlechtliche Erleben lässt sich nicht „von außen“ diagnostizieren oder beeinflussen. Ob ein Kind z.B. „ein Junge ist, der gerne mit Mädchensachen spielt“ oder „ein Mädchen“, das kann es nur selbst herausfinden. Es ist also wichtig, dass ein Kind den Entwicklungsfreiraum bekommt, um sich selbst zu spüren. Das Infragestellen des empfundenen Geschlechts oder Bewerten von Entwicklungen hilft dem Kind dabei wenig, im Gegenteil: es birgt das Risiko von psychischen Verletzungen bis hin zu Traumen. Fraglos kann es äußerst schwer sein, der Entwicklung des Kindes seinen freien Lauf zu lassen, zumal das Leben in der klassischen Geschlechterrolle in vielen Aspekten angenehmer sein kann. Die freie Entfaltung ermöglicht der eigenen Persönlichkeit in einer unbequemen Umgebung wesentlich größere Chancen auf ein glückliches Leben als die unterdrückte Persönlichkeit in einer zufriedenen Gesellschaft. Also gilt es, dem Kind zuzuhören, ihm auf Augenhöhe zu begegnen und mit ihm gemeinsam den besten Lebensweg herauszufinden.

Vielleicht hilft es Dir, wenn Du Dich fragst, wann Du Dich entschieden hast, ein Mann oder eine Frau zu sein. Vermutlich hast Du Dir diese Frage nie gestellt, sondern lebst aus einem Selbstverständnis heraus in diesem Geschlecht. Genauso ist das erlebte Geschlecht Deines Kindes ein Teil seiner eigenen Persönlichkeit, das es nicht begründen oder ändern kann. Genau wie Du fühlt sich Dein Kind am meisten unterstützt, wenn Du dessen Eigenempfindung ernst nimmst, nicht bewertest und ihm zutraust, sich selbst zu fühlen und zu kennen.

Jeder ist Experte für sich selbst.